🎙 Wenn vieles auf dem Spiel stand, hat Claus gemerkt: Besonders in den schwierigen Momenten ist ein guter Draht zu Gott wichtig. Claus hat den Kontakt zu Gott gehalten und festgestellt: Das hat etwas bewirkt.

👉 Wie ist das bei dir: Wie hältst du den Kontakt zu Gott?

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Interview – Teil 1: Wie finde ich meine Werte heraus?

Dieser Interviewpart beginnt ab Minute 00:14:30

Wer glaubt denn sowas?
Wer glaubt denn sowas?
S01E01: „Was wird mir gerecht?“
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Christoph:

Wir werden uns ja heute mit einem Thema beschäftigen, was dir auch besonders am Herzen liegt, nämlich die Frage: „Was wird mir gerecht?“ Und vielleicht ist es ganz spannend, da vielleicht erst mal so an die Anfänge zu schauen von dir. Du hast ja auch einiges schon erlebt. Du guckst ja auf einen doch guten Erfahrungsschatz, ein Leben zurück. Und vielleicht ist es ganz gut, wenn wir uns auch um die Frage kümmern, wie man denn jetzt überhaupt diesen Weg zu Gerechtigkeit findet. Das ist ja so eine erste Frage, die man sich so stellen könnte: „Wie komme ich denn überhaupt daran, was meine Werte überhaupt sind?“ Man kann ja immer ganz schnell sagen: „Meine Werte sind das und das und das“. Aber dahin zu kommen, die Genese von dem Ganzen, das ist ja schon etwas Anspruchsvolles. Und vielleicht magst du uns einfach mal etwas erzählen, wie das bei dir so gewesen ist, wie du diesen Weg auch zu deinem Beruf gefunden hast und wie auch der Glaube da so mit reinspielt.

Claus:

Hm, ja, richtig. Der Glaube ist dann nämlich auch, sage ich mal, der erste Anknüpfungspunkt gewesen, denn ich hatte nicht im dritten Lebensjahr schon die Absicht, irgendwie Jurist zu werden. Dann würde auch irgendwas nicht stimmen, würde ich sagen. Und ich bin so in der Familie als Nachzügler aufgewachsen. Meine Eltern waren erheblich älter als ich und bei meiner Geburt waren meine Eltern 42. Als ich 18 war, waren sie schon 60. Heute ist das weniger ein Problem, weil die Leute irgendwie aufgeklärter sind. Aber meine Eltern sind noch Kriegskinder, die hatten schon einen, doch hatten auch was zu verarbeiten und waren auch sehr auf sich gerichtet. Und ich hatte wie gesagt keine Geschwister mehr, meine Schwester war schon lange aus dem Haus und so hatte ich dann immer das Gefühl: „Claus, du musst so ein bisschen mehr für dich selber sorgen.“ Deine Eltern, die waren lieb und nett – Ich würde keine anderen Eltern haben wollen – aber die können dir nicht ganz gerecht werden. Die verstehen nicht so, die schicken dich zwar zum Gymnasium, aber das, was da vermittelt wird, kannst du gar nicht so bewältigen. Und du musst selber nach dem suchen, was dir gerecht wird. Ich vermute da auch so einen psychologischen Grund dafür, warum ich dann Rechtswissenschaften studiert habe. Und mein erster Anknüpfungspunkt war tatsächlich der Konfirmandenunterricht. Meine Eltern waren nicht besonders gläubig, mein Vater ja eher weniger als überhaupt gläubig. Und da war der erste Kontakt über die zehn Gebote, über das, was uns berichtet wurde aus der Bibel. Da hat man sich auch sehr viel Mühe gegeben, es war so ein klein bisschen für alle. Wir waren ja so in der Hippie Zeit, ein bisschen lästig, aber trotzdem war das eine ganz gute und keine verlorene Zeit. Und dieses Miteinander in der Kirche oder so oder sich irgendwo da einzubringen, habe ich jetzt erst über die Jahre gelernt. Ich nehme immer wieder mehr so viel, auch im Bereich Gesang oder so und auch mal jetzt bei Predigten, jetzt insbesondere zum neuesten Thema Ukraine, der Krieg, immer mehr so ein bisschen dran Teil an Glaubensfragen.

Laura:

Claus, bist du also nach deiner Konfirmandenzeit, wie sagt man das am besten, bist du deinem Glauben treu geblieben oder gab es eine Zeit, wo du dann gedacht hast: „Nee, das ist gar nichts für mich mit der Kirche?“ Oder hat sich das mit der Zeit dann wieder entwickelt? Wie war das bei dir?

Claus:

Ja, ich habe eher so ein bisschen so ein eigenes Zwiegespräch mit dem Herrgott. Das drückt sich auch durch meine Gebete aus. Ich bin oft auch in schwere Situationen gekommen, zum Beispiel als mein erstes Kind geboren wird. Das ist ein schönes Beispiel. Meine Ehefrau war auch schon älteren Datums als wir Eltern wurden und ich war ja auch 29, 30, etwa, sie sogar noch drei Jahre älter als ich. Und ja, der Zeitpunkt kam, wo sie, wie es in der Bibel steht, niederkommen sollte. Aber das Baby wollte noch nicht auf die Welt. Und ich weiß, sie hatte sich dann ziemlich gequält und für sie war es auch schwer. Und ich bin in die Kirche gegangen, tatsächlich in die Kirche gegangen. Ganz alleine und habe dort für mich gebetet. Und als ich wieder in die Klinik kam, hatte sie Wehen. Allerdings waren die so ein bisschen künstlich herbeigeführt. Aber durch dieses Ereignis habe ich gemerkt oder für mich beschlossen, eben diesen Kontakt zum Herrn zu halten. Was du so erfahren kannst. Ich bin nun kein großer Bibelleser geworden, aber wenn man den Kontakt zu ihm zu halten und immer wieder auch da anknüpfen [kann] und deswegen so nach dem Motto: „Habe einfach gute Erfahrungen gemacht“ oder auch mal gesagt, „die und die furchtbare Lage ist zurzeit auf der Welt, helfe Gott irgendwie in irgendeiner Art“ und ich habe dann oft erlebt, dass tatsächlich sich eine Lösung dann ergeben hat. Und aus diesen Erfahrungen macht man einfach das Gefühl, es tut einem gut. Das ist etwas Wichtiges, es tut einem einfach gut und das ist auch wertvoll, was ich da erlebe, das auch sehr nette Menschen dort sind, denen ich begegnet bin, manchmal ganz anders, als ich sie im Berufsverkehr oder in meiner Berufszeit erlebe. Da wird nur mit Ellenbogen gekämpft und auch Kollege gegen Kollege. Und das ist ja doch in erholsamer, guter Form in der Kirche ein bisschen anders.

Christoph:

Werte vertritt du ja dann auch vor Gericht. Und wie bist du denn Rechtsanwalt geworden? Was war da der Weg? Wann hast du dich entschieden, genau diesen Weg einzugehen? Das ist ja auch ein sehr umfangreiches Studium, auch sehr arbeitsreich. Wo hast du für dich in deinem Leben gemerkt? „So da – Ich möchte Rechtsanwalt werden.“

Claus:

Das ist auch ein wichtiger Punkt. Ihr werdet es nicht glauben, aber nach dem Examen. Ich musste zwei Examen machen, musste auch eins wiederholen. Kommt mal vor. Und diese juristischen Examen sind ziemlich übel. Und als ich das hinter mich gebracht hatte, sagte dann der Prüfungsvorsitzende: „Und jetzt entlasse ich Sie in die Welt. Jetzt können Sie als Jurist tätig werden.“ Und ich habe in dem Moment gedacht: „Oh Gott, bloß nicht das noch.“ Nee, nee, jedenfalls, ich bin alles andere als Rechtsanwalt geworden. Gar nicht. Ich wollte überhaupt nicht Rechtsanwalt werden, mein ganzes Leben nicht. Und ich habe dann eine Fortbildung gemacht im Bereich Umweltrecht hier in Hannover. Ein Jahr ging das vom Arbeitsamt. Man suchte damals sogenannte Umweltschutzbeauftragte in den Gemeinden und das habe ich zehn Jahre lang gemacht und hatte dann natürlich auch mehr mit Recht zu tun, als man sich vorstellen kann. Und als meine Frau verstarb, gab es da so ein Cut und ich musste mich mehr um die Kinder kümmern. Die waren ja damals drei und acht Jahre alt. Da habe ich mir dann auch gesagt: „Ja, du kannst doch auch Rechtsanwalt werden. Du kannst ja auch selbstständig dich machen.“ Da war die Zeit da dafür. Da sagte ich: „Das will ich für mich noch mal ausprobieren. Das bin ich mir irgendwie noch schuldig.“ Und das habe ich dann auch gemacht. Und ich hatte kein Geld, kein Garnichts, keine Beziehung, überhaupt nix, sondern habe das so irgendwie aus dem Boden gestampft.

Laura:

Das ist ja auch ein mutiger Schritt, dass dann genau in dieser Situation zu machen. Hat dir da Gott geholfen, dass du dich getraut hast, das zu machen, oder?

Claus:

Ja, ich denke mir, er hat mir das Gefühl gegeben: „Das kannst du jetzt wagen, das versuch mal“, denn es war auch so, ich bin ein Mensch, der, man sieht es mir nicht so an, der auch viel unter Ängsten im Leben gelitten hat und die Ängste haben mir vieles versperrt im Leben. Ich hatte ja die Ängste selber, kann da keinen anderen für verantwortlich machen und seitdem ich Rechtsanwalt bin, bin ich frei. Ich bin zwar für alles verantwortlich, wenn ich irgendwas verkehrt mache, trifft mich die Keule sofort. Ja, denn auch erfahrene Rechtsanwälte sagten zuerst zu mir: „Sieh dich vor, der Mandant von heute ist der Gegner von morgen.“ Erlebst du immer wieder. Es ist nicht bei jedem Mandanten so, aber kommt immer wieder mal vor, na ja, aber du hast schon recht. Ich sagte, ich versuche es einfach. Wenn es schiefgeht, ja, dann war es halt das Risiko. Aber ich versuche es einfach mal und ich habe mich nie so gut und so wohlgefühlt wie in dem Beruf. Jetzt im Moment wird’s ein bisschen viel und es wird Zeit aufzuhören oder doch einzuschränken, weil die Schnelligkeit, die Kraft und habe ich jetzt nicht mehr. Mit 67 lässt das irgendwie so ein bisschen nach und man muss ja auch nicht – es gibt andere Aufgaben. Alle sagen immer: „Was machst du denn in der Rentenzeit? Da langweilst du dich zu Tode!“ und erfahrene Freunde sagen immer: „Mach das bloß nicht und arbeite weiter. Es ist die schönste Zeit im Leben.“ Na ja, wir werden sehen.

Christoph:

Du hast ja jetzt von einigen auch Grenzerfahrungen geschildert, also das ja von erzählt, wie du an die Grenze gekommen bist. Beispielsweise bei der Geburt deines Kindes oder jetzt auch in der Berufssituation oder auch nach dem Tod deiner Frau. Sind das denn auch so Momente gewesen, wo du gemerkt hast, was dir wirklich wertvoll ist?

Claus:

Ja, du hast recht, das ist natürlich ganz auch der Tod meiner Frau. Ich stand ja plötzlich mit den Kindern alleine da und bin ja nun weiß Gott nicht so eine Führungsperson oder eine Glucke, der alle so unter sich vereinigt und das Kommando übernimmt. Und die mussten ja auf mich vertrauen, ja, waren ja ganz klein und ich war für sie verantwortlich. Ich habe es aber auch gerne gemacht. Ich für mich war ganz klar, dass ich das mache und bewältige. Und auch hinkriege, sie großzuziehen. Also ich hatte nie den Gedanken: „Oh, vielleicht gebe ich die Kinder doch lieber ab“ oder so, das da hätte ich mich gewehrt wie ein Löwe. Also das war für mich absolut absolut klar. Und da habe ich natürlich auch innerlich so ein bisschen auch sehr den Kontakt zu Gott gesucht und er hat mir da irgendwie ganz guten Weg gezeigt. Ich hatte nämlich so eine ganz andere Denkweise bekommen in der Zeit danach, ich habe mich nur auf das besonnen, was ich den Tag über nur für den Tag geplant [habe]. Was der morgige Tag bringt oder wie ich den bewältige, war mir völlig egal. Ich musste nur den heutigen Tag hinkriegen. Sonst hätte mich das erschlagen, auch wenn dieses viele: „Was wird denn wenn und wenn die größer werden, was musst du dann machen?“ Und so weiter. Und so habe ich das auch ganz gut hingekriegt. Und ich merke immer wenn die Tränen zu stark im Gesicht standen, dann ging ich zum Herrgott und auch zum Grab und meine Kinder sollten das nicht unbedingt sehen. Und dort habe ich getrauert. Da habe ich auch miterlebt, wie ist das Trauern, dass das wichtig ist, was ganz Wichtiges ist, und habe das auch bewältigt. Ich dachte immer, die Wassertonne, die dann peu a peu voll läuft mit Regenwasser, die ist wieder voll. Das dachte ich immer an die Tränen, die läuft jetzt über. Du musst wieder zum Grab. Und da habe ich eine Zeit verweilt in Kontakt mit oh ja, mit meinem Glauben. Und so weiter und kam dann wieder gestärkt. Die Tränen haben gelaufen und danach war die Tonne wieder geleert. Sage ich mal so, das ist halt nur so so ein Begriff, den ich im Kopf hatte.

Laura:

Claus, hattest du denn Zweifel zu dem Zeitpunkt, als dir das widerfahren ist an deinem Glauben? Hast du aufgehört zu glauben für eine Zeit?

Claus:

Ne, auf die Idee bin ich überhaupt nicht gekommen. Überhaupt nicht. Ich hätte es ja auch irgendwie den Herrgott vorwerfen können. Wie kannst du nur? Hast du nicht richtig aufgepasst auf uns? Und nein, das war es überhaupt nicht. Überhaupt nicht. Das habe ich da gar nicht mit in Verbindung gebracht.